Die Wahl einer technischen Gehhilfe (TG) beschränkt sich nicht darauf, einen Gehstock einem Rollator vorzuziehen. Sie basiert auf einer genauen Analyse mehrerer funktioneller und klinischer Faktoren. Das Verständnis dieser Parameter ermöglicht es, ein auf die Situation des Patienten, sein Rehabilitationsziel und seine Umgebung zugeschnittenes Hilfsmittel zu verschreiben.
Die wichtigsten Auswahlkriterien
Hier sind die zu berücksichtigenden Elemente, um die am besten geeignete Hilfe zu bestimmen:
- Anzahl der Bodenkontakte: je nachdem, ob man ein Gliedmaß stabilisieren, teilweise oder vollständig entlasten möchte.
- Stützmodus: kontinuierlich (permanent) oder intermittierend (punktuell).
- Lateralisierung der Beeinträchtigung: einseitige (z. B. Hemiparese) oder beidseitige (z. B. myopathische Beeinträchtigung) Beeinträchtigung.
- Anzahl der verfügbaren Hände: eine oder zwei, abhängig von möglichen Einschränkungen (Verletzungen, Notwendigkeit, eine Hand frei zu halten usw.).
Typologie der Gehhilfen und assoziierte klinische Situationen
Klassischer Rollator
- Abstützung: beidseitig, symmetrisch und kontinuierlich
- Stützrhythmus: 3-3-3-3…
- Ziel: jeden Stützpunkt verdreifachen, um die Stabilität zu optimieren
Vorteile
- Hohe Stabilität und Komfort
- Symmetrische Abstützung
- Konstante und flüssige Unterstützung
Nachteile
- Sperrig, wenig geeignet für beengte Räume
- Erfordert den Einsatz beider Hände
Zwei Gehstützen – Fall 1: Alternierende Teilentlastung
- Abstützung: beidseitig, symmetrisch und intermittierend
- Rhythmus: 3-1-3-1-3-1…
- Ziel: einen einzigen Stützpunkt verdreifachen (z. B. nach Operation oder einseitiger Verletzung)
Vorteile
- Gute Manövrierfähigkeit
- Ermöglicht die Modulation der Entlastung
- Geeignet für unterschiedliches Gelände
Nachteile
- Erfordert eine gewisse Koordination
- Führt oft zu einer Schrittasymmetrie
- Intermittierende, nicht dauerhafte Unterstützung
- Einsatz beider Hände
Zwei Gehstützen – Fall 2: Vollständige Entlastung
- Abstützung: beidseitig, symmetrisch und intermittierend
- Rhythmus: 1-2-1-2-1-2…
- Ziel: einen Stützpunkt vollständig ersetzen (keine Belastung eines Gliedmaßes)
Vorteile
- Ermöglicht eine vollständige Entlastung
- Wertvoll bei Kontraindikation zur Belastung
Nachteile
- Erfordert erhebliche Kraft in den oberen Gliedmaßen
- Weniger flüssig
- Anstrengend auf langen Strecken
- Einsatz beider Hände
Zwei Gehstützen – Fall 3: Ausgewogene alternierende Abstützung
- Abstützung: beidseitig, alternierend und intermittierend
- Rhythmus: 2-2-2-2…
- Ziel: jeden Stützpunkt verdoppeln und dabei einen ausgewogenen Rhythmus beibehalten
Vorteile
- Guter Kompromiss zwischen Stabilität und Autonomie
- Geeignet für ein flüssigeres Gehen
Nachteile
- Motorische Koordination unerlässlich
- Erfordert den Einsatz beider Hände
Einhand-Rollator (Wheeleo®)
- Abstützung: einseitig und kontinuierlich
- Rhythmus: 2-2-2-2…
- Ziel: jeden Stützpunkt mit einseitiger Unterstützung verdoppeln
Vorteile
- Kontinuierliche Unterstützung ohne beidseitige Einschränkung
- Macht eine Hand frei, um mit der Umgebung zu interagieren
- Fördert ein flüssiges und natürliches Gehen
- Gute Manövrierfähigkeit
Nachteile
- Maximale Effizienz auf ebenem Untergrund
- Weniger geeignet für unebene oder komplexe Außenbereiche
Eine Gehstütze
- Abstützung: einseitig und intermittierend
- Rhythmus: 2-1-2-1-2-1…
- Ziel: einen Stützpunkt vorübergehend verdoppeln
Vorteile
- Leichtes, einfach zu transportierendes Hilfsmittel
- Eine Hand bleibt frei
- Geeignet bei moderaten Beschwerden
Nachteile
- Erfordert ein gutes Gleichgewicht der Körperhaltung
- Stabilisiert nur eine Seite
Den Stützrhythmus interpretieren
Jeder Gangrhythmus zeigt ein Stabilitätsniveau an:
- 1: einbeiniger Stand (instabil)
- 2: ein Fuß + eine Stütze (moderates Gleichgewicht)
- 3: ein Fuß + zwei gleichzeitige Stützen (maximale Stabilität)
Ein instabiler Patient wird spontan versuchen, den einbeinigen Stand zu vermeiden und einen sichereren Dreischrittgang annehmen.
Fazit
Es gibt keine universelle Gehhilfe: Jede klinische Situation erfordert eine individuelle Betrachtung. Die Anzahl der Stützpunkte, deren Kontinuität, die Lateralisierung der Beeinträchtigung und die funktionellen Fähigkeiten des Patienten werden Ihre Wahl leiten. Das Ziel ist nicht nur, eine Hilfe anzubieten, sondern einen Prozess der funktionellen Genesung, der Autonomie oder der dauerhaften Kompensation zu unterstützen.