Seit Jahrzehnten wird der Dreifußstock Patienten mit unsicherem Gleichgewicht, insbesondere bei Hemiparese oder Hemiplegie, fast systematisch verschrieben. Seine Beliebtheit beruht auf einfachen Argumenten: einer verbreiterten Standfläche, einem stabileren Griff und der Fähigkeit, von selbst stehen zu bleiben, wenn man ihn loslässt. Für einen hemiplegischen Patienten wirkt dies beruhigend: Fällt der Stock um, setzt er sich einem erhöhten Sturzrisiko aus, wenn er versucht, ihn aufzuheben.
Doch diese Argumentation verdient es, neu bewertet zu werden.
Die Falle des Dreischrittgangs
Eines der häufigsten Gangmuster mit dem Dreifußstock ist der „Dreischrittgang“: Bewegung eines Beins, des anderen Beins, dann des Stocks. Diese Aufteilung des Gangzyklus ermöglicht es dem Patienten, stets eine doppelte Abstützung beizubehalten – eine adaptive Lösung, um das Gefühl der Instabilität zu vermeiden, das durch die einbeinige Abstützung hervorgerufen wird.
Dieses Muster wird schnell zu einem Automatismus. Und wie jede effektive Kompensation wird es durch die unmittelbaren Vorteile, die es bietet, positiv verstärkt: Sicherheit, Gleichgewicht, Beruhigung. Langfristig entfernt es sich jedoch vom physiologischen Gangmuster, verlangsamt den motorischen Fortschritt, erhöht die Asymmetrie, den Energieverbrauch und paradoxerweise die Instabilität.
Negatives Lernen: Eine Bremse für die Genesung
Je häufiger dieses Muster wiederholt wird, desto schwieriger wird es, es abzubauen. Dies wird als negatives Lernen bezeichnet. Für den Reha-Therapeuten erschwert dies die Aufgabe: Es muss ein tief verwurzeltes Kompensationsmuster verlernt werden, bevor eine neue Koordination gelehrt werden kann. Das kostet Zeit… und Energie.
Eine Kompensation zu beseitigen, erfordert jedoch, deren Ursache zu eliminieren. Nicht sie zu kaschieren. Eine Anweisung zu geben („versuchen Sie, in zwei Schritten zu gehen“) oder den Gang manuell zu korrigieren, reicht nicht aus: Bleibt der Bedarf an doppelter Abstützung bestehen, kehrt die Kompensation zurück — oder wird durch eine andere, manchmal komplexere, ersetzt.
Das Wheeleo®: ein einhändiger Rollator, eine angepasste Lösung
Angesichts dieser Erkenntnis ist eine innovative Mobilitätshilfe entstanden: das Wheeleo®. Dieser einhändige Rollator kombiniert die Wendigkeit eines Stocks mit der Stabilität eines vierrädrigen Rollators. Seine Abstützung ist dank seiner multidirektionalen Räder unabhängig von der Neigung konstant am Boden. Der Patient kann so ein flüssiges, symmetrisches und dem natürlichen Bewegungsablauf näherkommendes Zweischritt-Gangmuster wiedererlangen: rechter Fuß + Wheeleo®, dann linker Fuß + Wheeleo®.
Der Bedarf an doppelter Abstützung wird respektiert, aber ohne eine Kompensation aufzuzwingen. Und das ändert alles.
Ein Hilfsmittel zur Begleitung des Fortschritts
Im Rahmen einer Rehabilitation fügt sich das Wheeleo® ideal zwischen dem Gehen am Geländer und der Verwendung einer Krücke ein. Es vermeidet die Falle des Dreischrittgangs und reduziert das Risiko negativen Lernens. Wenn der Patient Fortschritte gemacht hat — das heißt, er spontan einen ebenso stabilen Zweischrittgang mit einer einfachen Krücke einnehmen kann —, kann die Verwendung des Wheeleo® natürlich beendet werden.
Bei ausreichender Genesung der paretischen oberen Extremität kann ein zweihändiger Rollator für Außenaktivitäten in Betracht gezogen werden.
Fazit
Heute ist es an der Zeit, den systematischen Einsatz des Dreifußstocks bei hemiplegischen Patienten zu hinterfragen. Es gibt andere Lösungen, die die natürlichen Gangmechanismen besser respektieren und effektiver sind, um schädliche Kompensationsmuster zu vermeiden.
Das Wheeleo® gehört dazu. Es in die Werkzeugkiste des Reha-Therapeuten zu integrieren, bedeutet, den Patienten die Chance zu geben, schneller, weiter — und besser zu gehen.







