Einige schmerzlindernde Gangbilder sind bekannt, fast schon karikaturhaft: deutliches Hinken, ausweichende Belastung, schützende Haltung… Aber andere sind diskreter, subtiler. Und wenn der Schmerz sich nicht äußert, wird der Zusammenhang zwischen der Gangveränderung und einem schmerzhaften Ursprung schwer herzustellen.
Und doch ist dieser Zusammenhang essenziell zu erkennen.
Wenn der Schmerz sich nicht äußert, aber sichtbar ist
Angesichts eines Schmerzes – oder der Angst, einen zu empfinden – reagiert der Körper. Er passt sich an. Der Patient verändert natürlich seine Haltung, seine Belastung, seine Art zu gehen. Er entwickelt schmerzlindernde Kompensationen.
Diese Anpassungen sind manchmal so effektiv, dass der Schmerz verschwindet. Oder zumindest wird er nicht mehr wahrgenommen. In einigen Fällen hat sich der Patient nie über Schmerzen beklagt… und doch ist sein Gangbild verändert.
Ergebnis: In der Konsultation beobachten wir eine Gangveränderung ohne Beschwerden oder Schmerzerinnerung. Der Zusammenhang verschwimmt. Und mit ihm unsere klinische Argumentation.
Die Falle des Anscheins
Wenn man den Schmerz nicht als mögliche Ursache in Betracht zieht, riskiert man:
- Eine andere Ursache suchen: motorische Defizienz, Gleichgewichtsstörung, Gelenksteifigkeit…
- Übungen verschreiben, die darauf abzielen, den Gang zu korrigieren… ohne Wirkung, da die Ursache nicht behandelt wird.
- Unfreiwillig das Kompensationsschema verstärken, indem man am eigentlichen Problem vorbeihandelt.
Physiotherapeuten, bleiben wir wachsam
Als Bewegungsexperten ist es auch unsere Aufgabe, Detektiv zu sein. Ein verändertes Gangbild ohne Schmerzklage bedeutet nicht die Abwesenheit von Schmerz.
Auf schwache Signale achten, die Anamnese des Patienten erforschen, seine Ängste hinterfragen, die auslösenden Kontexte beobachten: all das kann einen maskierten Schmerz aufdecken.
Und vor allem: die Ursache behandeln, um die Kompensation aufzuheben.
Wichtig:
- Schmerz kann den Gang tiefgreifend verändern, auch ohne Beschwerden.
- Einige schmerzlindernde Gangbilder sind schwer zu erkennen.
- Den Schmerz identifizieren (oder die Erinnerung daran) ist unerlässlich, um die Rehabilitation zu leiten.
Die Kompensation ist manchmal so erfolgreich… dass wir die Ursache übersehen.







